Kategorie: Persönliche Schutzausrüstung

Einzeltest: Comau Mate-XT-GO


Vorstellung des Exoskeletts Comau Mate-XT-GO

Persönliche Schutzausrüstung Comau Mate-XT-GO im Test, Bild 1
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Wer im Handwerk arbeitet, kennt das: Bei einer falschen Bewegung oder wenn man zu optimistisch beim Anheben einer Last zugreift, schon knackt’s im Rücken und ein Krankenschein wird fällig. Dagegen gibt es ein Mittel: das Exoskelett. Wir haben ein Testexemplar aus dem Hause Comau eingeladen, um uns selbst eine erste Meinung zu diesem noch recht unbekannten neuen Ausrüstungsteil zu bilden.

Was ist ein Exoskelett? Der Begriff stammt eigentlich aus der Biologie. Die meisten Insekten haben ein Exoskelett, das heißt, dass die lebenswichtigen Organe von der starren Außenhülle und nicht von einem Knochengerüst getragen und geschützt werden. Aus statischen Gründen ist das aber nur bei Kleintieren wie Insekten oder Krebstieren möglich. Bei größeren Lebewesen hat die Evolution auf das Knochenskelett gesetzt. In der Forschung ist jedoch seit Jahren die sogenannte Bionik ein Thema.

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Hier geht es darum, die Natur besser zu verstehen und Lösungen aus der Natur für den Menschen zu adaptieren. Ein Beispiel sind Lacke, die die Struktur von Haifischhaut haben. Damit lackierte Flugzeuge vorbeiströmender Luft weniger Widerstand bieten. Das spart Kraftstoff und somit Geld. In der Bionik hat man auch die Funktion des Exoskeletts erforscht und die Ergebnisse in ein für Menschen passendes Konzept übertragen. Aber zurück zum Exoskelett. Schauen wir uns das Ganze mal genauer an.
Persönliche Schutzausrüstung Comau Mate-XT-GO im Test, Bild 7


Optik


Auf den ersten Blick erinnert das Exoskelett an einen Rucksack, bei dem die Tasche fehlt. Der Vergleich zum Rucksack ist durchaus zutreffend, denn das Gerät wird genauso angelegt. Gepolsterte Schultergurte, ein schmaler Brustgurt, der das Verrutschen verhindert und ein breiter Hüftgurt, der alles an Ort und Stelle hält. Von vorn sieht das Ganze recht bekannt aus. Die Rückseite unterscheidet sich jedoch deutlich vom Wander- oder Trekking-Rucksack. Eine T-förmige Konstruktion verbindet den Schulterbereich mit dem Hüftgurt. Das Ganze ist in der Länge verstellbar und passt so für Personen von ca.1,65 m bis ca. 2,00 m Körpergröße. Aber bei Comau, so der Name des Herstellers, hat man nicht nur an die Körperlänge der Träger gedacht, sondern auch an den Körperumfang. Für den Hüftgurt gibt es deshalb eine Verlängerung, die einfach per Klettverschluss eingefügt wird, dann passt das Mate-XT-GO auch für etwas fülligere Menschen. Nochmal zurück zum oberen Teil des „Rücken-T“. An beiden Enden des Schulterbügels findet sich eine Gelenk-Konstruktion, die dem gesamten Bewegungsspielraum des Schultergelenks folgt. Am Ende dieser Konstruktion findet sich ein Bügel, der parallel zum Oberarm verläuft und per Gurtkonstruktion am Oberarm befestigt wird. Diese beiden Bügel sorgen für die Unterstützung beim Arbeiten. Der Grad der Unterstützung kann je nach Anwender und Aufgabe einfach in acht Stufen eingestellt werden. Die Unterstützung erfolgt rein mechanisch durch Federvorspannung. Wozu jetzt das ganze Konstrukt, wenn doch „nur die Oberarme“ unterstützt werden. Das ist ganz einfache Physik. Jede Kraft benötigt eine Gegenkraft , bzw. einen Haltepunkt an dem sie angesetzt werden kann. Der wird durch das Tragegeschirr und den Hüftgurt gegeben. Daneben fördert die Konstruktion auch eine korrekte Körperhaltung.

Wobei hilft das Exoskelett?


In unserem Fall werden die Oberarme unterstützt. Wer also beispielsweise als Maler Decken streichen muss, kann mit dem „Exo“ die Oberarme und die Schultern deutlich entlasten. Das klappt auch beim Landschaftsgärtner, der große Hecken pflegen muss, oder beim Krankenpfleger, der Patienten aus dem Bett helfen möchte. Wer ein paar Minuten darüber nachdenkt, wird schnell noch mehr Einsatzmöglichkeiten finden. Unser Muster ist also speziell für die Entlastung von Schultern und Oberarmen konzipiert. Es gibt aber inzwischen verschiedenste Exoskelette, die bei unterschiedlichsten Tätigkeiten helfen. Auch motorunterstützte Varianten, die durch Akkus mit Strom versorgt werden sind am Markt.

Es hat bisher doch auch ohne Unterstützung funktioniert.


Stimmt, aber die Diskussion, dass wir in ein paar Jahren alle länger arbeiten müssen kennt doch jeder. Mit dem Exoskelett soll die Mitarbeiter-Gesundheit unterstützt werden. Bei den oben genannten Tätigkeiten sind typische Gründe für „den gelben Urlaubsschein“ der verknackste Rücken und die verletzte Schulter. Diese Krankheitsbilder lassen sich mit der Nutzung des Exoskeletts vermutlich nicht vollkommen verhindern, aber deutlich reduzieren. Schon ein paar eingesparte Krankschreibungen und das „Exo“ hat sich gerechnet, und zwar sowohl für den Chef als auch für den Nutzer. Und sind wir mal ehrlich: Ein Krankenschein wegen Rückenproblemen ist selten angenehm, zumal den meisten Menschen bewusst ist, dass das Problem jederzeit wieder auftreten kann. Vorbeugen sollte also die Devise sein. Darüber hinaus sorgt die Nutzung des Exoskeletts für eine konstantere Leistungsfähigkeit. So ist der Mitarbeiter nachmittags noch fast so fit wie morgens. Und, – nicht zu vergessen, fitte und konzentrierte Mitarbeiter machen weniger Fehler und arbeiten sicherer.

Braucht jeder Mitarbeiter ein eigenes Exoskelett?


Hier muss man einiges berücksichtigen: Zum einen sind es in den meisten Betrieben nur bestimmte Tätigkeiten, bei denen der Einsatz eines Exoskeletts nötig ist. Vielfach ist das Tragen noch nicht einmal während der gesamten Schicht nötig. Darüber hinaus ist das Mate- XT-GO von Comau so variabel, dass es in ganz kurzer Zeit für einen Kollegen passend gemacht werden kann. So können gleich mehrere Kollegen von den Vorteilen profitieren.

Zum Comau „Mate-XT-GO“


Nachdem wir kurz die Vorteile genannt haben, sollte auch der Hintergrund für die Entwicklung des Mate-XT-GO kurz genannt sein. Das Ganze geht auf eine Initiative des Autokonzerns Stellantis zurück. Hier wollte man Qualität und Sicherheit in der Produktion verbessern. In Zusammenarbeit mit der Universität Pisa hat Comau dann das Mate entwickelt. Unser Muster stammt bereits aus der dritten Generation. Es wird also kontinuierlich weiterentwickelt. Nachdem inzwischen ein – wie wir finden – recht hoher Standard produziert wird, könnte man es sich einfach machen, und das Produkt einfach auf dem freien Markt, z.B. über den Werkzeugfachhandel anbieten. Das entspricht aber nicht der Philosophie von Comau, denn das Mate ist kein Werkzeug wie eine Zange oder ein Hammer. Das Mate- XT-GO ist Bestandteil der PSA (Persönliche Schutzausrüstung). Da das Ganze jedoch etwas schwieriger in der Handhabung ist, als ein Helm oder die Schutzbrille hat Comau ein Vertriebskonzept entwickelt, bei dem zuerst eine persönliche Vor-Ort Schulung für Führungskräfte und Mitarbeiter stattfindet. Dabei werden Funktion, Nutzen und vor allem der Umgang mit dem „Exo“ geschult. Es wird keiner dazu angehalten, das Gerät ab sofort immer zu nutzen, denn natürlich empfindet man das Ganze zu Anfang erst einmal als unbequem und unnötig. Deshalb wird das Exoskelett stufenweise eingeführt. Zuerst nur für kurze Zeit, dann für länger. Erfahrungsgemäß kommt bei den meisten Mitarbeitern irgendwann der Punkt, an dem der Mitarbeiter das Exoskelett eigentlich nicht ausziehen möchte.

Die Kostenfrage


Na klar, hier werden Chefs hellhörig. Fakt ist, Der Preis für ein Comau Mate liegt bei ca. 5.000 Euro. Da gibt’s nichts schönzureden, das ist eine Menge Geld. Kann man aber übers Jahr den Krankenstand wegen Schulter- und Rückenproblemen reduzieren, rechnet sich die Anschaffung oft schon im ersten Jahr. Nicht unerwähnt soll auch die Tatsache bleiben, dass verschiedene Berufsgenossenschaften Anschaffung und Nutzung von Exoskeletten fördern. Interesse?
Hier gibt‘s alle relevanten Informationen:

Klaus Westhoff, (markenunabhängige Produktberatung)
49525 Lengerich
Tel: 0160 96941492
Internet: bgpm-forum.de

Kategorie: Persönliche Schutzausrüstung

Produkt: Comau Mate-XT-GO

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Jörg Ueltgesforth
Autor Jörg Ueltgesforth
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Datum 25.06.2026, 15:29 Uhr
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